Funkwäscheklammer mit Feuchtigkeitssensor.
Diese zu erfinden fiel mir letztens ein, als ich in einem Elektronikforum etwas über Heizverbrauchszähler las, die ihre aktuellen Daten per Funk an ein zentrales Gerät übermitteln. Zu allem Überfluss erwähnte auch jemand eine Wasseruhr mit LCD-Anzeige. Jetzt braucht man also schon Sondermüll in Wasseruhren, der beim alle 6 Jahre fälligen Wechsel aufwändig entsorgt werden muss! Wie mir noch so einfiel, dass ein Bleistiftspitzer mindestens eine USB-Schnittstelle vorweisen müsste, würde er heute erfunden werden, dachte ich mir, dass solch eine Wäscheklammer gar nicht so verkehrt wäre. Sie gäbe Bescheid, wenn die Wäsche abgehängt werden kann und das lästige Hinabsteigen in den Keller zum Nachsehen würde entfallen. Man müsste nur ins Dachzimmer hinaufgehen, den PC hochfahren und warten, ob das entsprechende Pop Up-Fenster erscheint.
Ich hege vor Allem im multimedialen Bereich, wie es neudeutsch genannt wird, erhebliche Zweifel am Nutzen des technischen Fortschritts. Wie oft hat mir der MS Mediaplayer schon mitgeteilt, dass er das Dateiformat nicht unterstützt oder ihm ein spezielles Plug-In fehlt, das ich mir doch bitteschön herunterladen soll. Manche Flash-Filme lassen sich mit Bordmitteln wiedergeben und manche nicht und für bestimmte Dateien brauche ich diesen, für andere jenen Medienspieler. So mülle ich mir die Festplatte voll mit Programmen, die ich zwei Mal im Jahr brauche - dabei habe ich mich doch früher so darauf gefreut, endlich mal wie Scotty einfach mit meinem Computer zu sprechen und Musik und Filme ratz-fatz zusammenzustellen oder kopieren zu können.
Diese Dinge brachten mich auf den Gedanken, meine schrittweise unterhaltungstechnische Aufrüstung zu Bildschirm zu bringen. Es war 1967 oder 1968, als ich meinen ersten Plattenspieler bekam, ein tragbares Gerät, bei dem auch ein Mittelwellenradio eingebaut war. Mehr brauchte ein Junge damals eigentlich nicht, denn Bayern 3, hr3, SWF3 und wie sie alle hießen gab es noch nicht. Unsere Radios waren fest auf Mittelwelle 208 m oder 1439 KHz eingestellt - der Frequenz von Radio Luxemburg. Wer wie ich in der Nähe eines Senders wie AFN wohnte, kam vielleicht schon mal auf den Gedanken, am Rädchen zu drehen.
Später kam noch mein erster Cassettenrecorder hinzu, ein Philips 2202. In gutem Glauben machte ich anfangs meine Aufnahmen noch mit dem Mikrofon, die jedoch noch scheußlicher klangen als das Plattenspielerradio selbst. Ich stand vor einem für mich zunächst kaum lösbaren Problem: Der Philips hatte eine richtige Diodenbuchse - Ihr erinnert Euch bestimmt an diese dicken runden Metallstecker mit 3 oder 5 Stiften drin -, aber der Plattenspieler verfügte nur über eine Ohrhörerbuchse. Das einzige Radio im Haus, das eine Diodenbuchse sein Eigen nannte, war ein Blaupunkt Lido, mit dem ich dann passable Aufnahmen machen konnte. Nur - beim Einstöpseln schaltete der Stecker den Lautsprecher vom Radio auf das Kabel um, denn der Anschluss war gleichzeitig für die Wiedergabe gedacht. Das Radioprogramm war nur noch ganz ganz leise zu hören.
Meine Eltern wollten natürlich ihren Lido gern mal wiedersehen und so gelangte ich in den Besitz eines Loewe T 75, mit dem ich als leidenschaftlicher Wellenreiter auf Kurzwelle auf Senderjagd ging und kein Fernsehen brauchte, um meine Abende auszufüllen. Bei diesem Gerät konnte man auch hören, was man mitschnitt und ich weiß noch genau, welchen Song ich damit als ersten aufnahm: Es war Honky Tonk Women und wurde in der Hitparade des Hessischen Rundfunks gespielt.
Meinen ersten Stereo-Plattenspieler schleppten meine Eltern dann irgendwann zu meiner völligen Überraschung an. Es war ja eigentlich ganz nett, aber dieser Spontaneinkauf ließ eigentlich gar keine richtige Freude aufkommen, weil ihm jegliche Kompatibilität zur vorhandenen Ausstattung fehlte. Aber sag' mal was, dann biste gleich wieder undankbar! Seine einzige Verbindung zur Außenwelt waren zwei Lautsprecherbuchsen, aber immerhin machte ich im Handel ein Adapterkabel ausfindig, das einen Lautsprecherstecker am einen und einen Diodenstecker am anderen Ende hatte.
Meine Freude währte indes nur bis zu dem Tag, an dem mein Cousin das rote Album der Beatles (war das 62-66?) mitbrachte und ich es auf Kassette bannte. Dieser Nachmittagsbesuch ließ nicht viel Zeit für Kontrollen der Aufnahmen und ich hatte auch für diesen Tag genug Beatles gehört. Der Schreck ereilte mich einige Tage später, denn bei diesen LPs befand sich der Gesang auf dem linken Kanal, die Instrumente hingegen komplett auf dem rechten! Eben diesen rechten Kanal hatte ich für die Aufnahme angeschlossen, was mich zur Frage führt, ob ich mich mit Recht als den Erfinder des Karaoke sehen darf.
Nach einem Einsatz des Lötkolbens mit Parallelschaltung des Überspielkabels zu den Lautsprechern war dieses Problem gelöst, doch es zeigte sich ein weiteres. Mir gefiel damals der erste Hit von Bachman Turner Overdrive, You Ain't Seen Nothing Yet, so gut, dass ich die Single unbedingt haben musste. Stolz wie Harry, sie endlich in Händen zu halten, legte ich sie auf, aber die Nadel kam nur bis zu einer Stelle nach dem Gitarrensolo, sprang zurück und spielte unendlich "and she looked at me with her big brown eyes", was irgendwie nicht zufriedenstellend war. Es lag an einer Feder unter dem Teller, die fürs Abschalten zuständig war und gegen den Tonarm drückte. Offenbar hatte diese Single pegelmäßig so viel Wuppdich, dass sie die Nadel aus der Spur brachte.
Einige Jahre später hatte ich dann alles beisammen, was man so brauchte: Einen Receiver mit 2x30 Watt und einem traumhaften Frequenzgang, zwei fette Grundig-Standboxen, einen Hifi-Plattenspieler und ein Stereo-Cassettendeck. Ooh, ich kann mir schon die Gesichter der Jüngeren vorstellen. Ja, das war alles! Schallplatten hatten die Töne als Unebenheiten in der Rille gespeichert, Tonbandgeräte als wechselnde Magnetfelder und bei Stereosendungen wurden beide Kanäle mit hoher Frequenz abwechselnd gesendet. Monoradios ignorierten das einfach. Mittelpunkt war der Verstärker, der alles untereinander verband und weder an unbekannten Formaten scheiterte noch nach Updates verlangte.
Unsere Musikkonserven waren nicht perfekt, aber warm und authentisch. Ein bisschen Knistern gehörte zu einer Schallplatte wie das Rauschen zu einem Band, ja man konnte sogar Aufnahmen noch unter- oder übersteuern! Da war nichts mit Automatik und Anpassen der Dynamik (also leise und laute Stellen nach oben bzw. unten korrigieren). Selbst wenn wir Aufnahmen von einem anderen Band kopierten, klangen sie allemal besser als jede MP3-Datei.
Wenn man sich Cassetten fürs Auto zusammenstellte, war das noch echte Handarbeit und eine C 90 mit zwei mal 45 Minuten nahm gut und gerne die doppelte Zeit in Anspruch, da nicht nur der Aufnahmepegel von Platte zu Platte angepasst werden musste, sondern man auch jeden Song 2-3 mal anspielen musste, um zu wissen, wann man den Recorder starten konnte. Dafür war so eine Cassette übersichtlich, denn auf jede Spur passten 10-15 Songs und man musste sich nicht durch 1 Gigabyte an MP3s wursteln.
Einen Plattenspieler in Gang zu setzen oder eine Aufnahme zu starten waren Wissenschaften für sich. Man stellte einen Plattenspieler nicht einfach so hin! Er musste in allen Richtungen 100-prozentig in der Waage stehen und Auflagegewicht und Antiskating waren ebenso sorgfältig zu justieren wie die Kurve, der die Nadel auf der Platte folgte. Es hätte sonst passieren können, dass die eventuell anwesende Katze sich an winzigen Verzerrungen gestört hätte. Ebenso reinigten und justierten wir regelmäßig den Tonkopf des Bandgeräts und waren ständig auf der Suche nach besserem Bandmaterial und der optimalen Aussteuerung der verschiedenen Fabrikate. Wir stritten um die Vor- und Nachteile von Chromdioxid- und Reineisenbändern und darum, ob sich letztere mit jedem Recorder vertrugen (sie taten es!).
Ob es heute einfacher ist, Musik individuell zusammenzustellen, bleibt jetzt irgendwie offen, weil man oft noch mit diversen Progrämmchen daran feilt. Damals war es einfach so, dass eine Platte knisterte und ein Band rauschte. Auf jeden Fall war es spannender und brachte einem Erfolgeerlebnisse ein. Der Unterschied ist in etwa so, als ob man ein Hölzchen auf trockenem Stroh reibt, um Feuer zu machen oder ein Feuerzeug dranhält.
©2008 aartalgeister! Zurück zur Auswahl